Wie klingt ein Einzelstück?

Über 300 Jahre alt ist das berühmte Violoncello mit dem Namen Mara und es klingt wie am ersten Tag. Begleiten Sie uns auf eine Zeitreise von einem Konzert mit seinem derzeitigen Besitzer bis zur Geburt des Mara auf der Werkbank Antonio Stradivaris in Cremona.
Wie klingt ein Einzelstück?
Entdecken Sie die Geschichte 
des Cello Mara.
Wie klingt ein Einzelstück?
Christian Poltéra
Er ist ein Fixstern der klassischen Musik – und seine Interpretation von Bachs «Goldberg-Variationen» für Streichtrio lässt die «Neue Zürcher Zeitung» schwärmen: Der 39-jährige Zürcher Christian Poltéra «entlockt seinem Cello einen trocken-eleganten, präzis artikulierten Ton ohne Überdruck. Er ist es, der von der Basslinie aus Tänzerisches initiiert, die Töne atmen lässt, die Linien zum Sprechen bringt».
2017

Konzerttournee mit dem Trio Zimmermann

Wie klingt ein Einzelstück?
Zusammen mit Frank Peter Zimmermann und Antoine Tamestit, die beide ebenfalls Instrumente von Stradivari spielen, gibt der aktuelle Besitzer des Mara, der Schweizer Christian Poltéra, mehrere Konzerte unter anderem in Amsterdam, Zürich, Mailand, Warschau, Salzburg und Edinburgh.
2014

Erste CD-Einspielung des h-Moll-Konzerts
von Antonín Dvořák

Eine der grössten Herausforderungen für Christian Poltéra: Zusammen mit dem Deutschen Symphonieorchester Berlin nimmt er das h-Moll-Konzert von Antonín Dvořák auf. Das Konzert für Violoncello und Orchester (Opus 104 von 1895) ist die Messlatte für jeden Solo-Cellisten. Es ist die erste CD-Einspielung dieses Konzerts auf dem Mara überhaupt.
2012

Das Mara kommt zu Christian Poltéra

Wie klingt ein Einzelstück?
Fast verschwindet das Mara nach Taiwan zu einem vermögenden Sammler, dessen Sohn Cello spielt. Aktueller Schätzwert des Instruments: ca. 12 Millionen US-Dollar. In letzter Minute kann dies noch verhindert werden. Neuer Besitzer des Mara wird der Schweizer Cellist und Schüler des vorherigen Besitzers Heinrich Schiff, Christian Poltéra, der dazu sagt:

«Ich bin der Besitzer, aber nicht der Eigentümer. Das ist ein grosser Unterschied in dem Fall.»
2003

Das Mara wird
Literatur

Wie klingt ein Einzelstück?
«Ich bin eben nicht nur einfach ein Cello, sondern das Kind meines Vaters, ein Kunstwerk eigenen Rechts. Und ich bin Mara, eine Legende.»
lässt Wolf Wondratschek das Mara in der gleichnamigen Erzählung sagen.

1995 – 2010

Heinrich Schiff spielt das Mara

Für etwas über 4 Millionen Mark kauft ein deutscher Industrieller das Instrument. Doch nicht für sich – er hat keine Zeit zum Cello spielen – sondern für den österreichischen Musiker Heinrich Schiff (damals passenderweise wohnhaft an der Wiener Mozartgasse). Dieser spielt bereits The Sleeping Beauty, ein anderes legendäres Cello, jedoch eines von Domenico Montagnana. 2010 muss Schiff aus gesundheitlichen Gründen seine Musiker-Karriere beenden.

1963

Schiffbruch mit Cello

Neun Jahre ist es her, seit das Mara in den Besitz des Römer Maestros Amadeo Baldovino gelangte. Als dieser auf Südamerika-Tournee ist, läuft seine Fähre auf ein gesunkenes Wrack auf. Das Instrument geht über Bord. Als der hölzerne Cellokoffer angeschwemmt wird, finden sich darin 20 Einzelteile, die einst das Mara waren. Neun Monate oder siebenhundert Arbeitsstunden dauert die Restauration und das Cello wird endgültig zu einer Legende.
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1910 – 1934

Mit Carlos A. Tornquist
in Buenos Aires

Wie klingt ein Einzelstück?
Sein neuer Besitzer Carlos A. Tornquist nimmt das Mara von London mit nach Buenos Aires. Finanziert wird das Instrument vom Bankhaus seines Vaters. Tornquist, ein Bewunderer Haydns, kennt die Geschichte seines Cellos aus dem Effeff und versäumt keine Gelegenheit, sie zu erzählen. Der Legende nach trennt sich Tornquist nur vom Mara, weil seine Geliebte Gabriella Maria Dolores den Namen des Cellos für den einer Nebenbuhlerin oder verflossenen Geliebten Tornquists hält. Sozusagen «Verkaufsgrund: Eifersucht».
1887 – 1902

Der experimentierfreudige
Alessandro Pezze

Im Dezember 1887 kommt das Instrument in den Besitz des italienischen Cellovirtuosen Alessandro Pezze. Ein, wie es heisst, asketischer Musiker (bis auf den Schluck Whisky, den er vor jedem Auftritt kippt), der täglich bis zu sieben Stunden konzentriert übt und den Klang des Mara in unzähligen Experimenten zu beeinflussen versucht. Die dabei entstehenden Blessuren am Cello muss der Geigenbauer Kristian Barza beim Musikalienhändlern W.E. Hill & Sons in London jeweils behandeln. Das Mara bleibt bis zu dessen Tod bei Pezze.
Besitzer des Mara
1800 – 1808
Der Königliche Kammermusiker John Crosdill, besitzt das Instrument während acht Jahren und tritt damit in England und Kontinentaleuropa auf. Bis er eine reiche Witwe heiratet und sich mehr und mehr aus dem Konzertbetrieb zurückzieht.
1808
Das Mara wird für 100 Pfund an John Betts verkauft, einen Fachmann für Stradivaris Instrumente in London. Betts wiederum verkauf das Instrument für 150 Pfund weiter.
1808 - 1810
William Champion behält das Cello zwei Jahre als Liebhaberstück. Viel mehr ist über ihn nicht bekannt.
1810 - 1860
Neuer Besitzer wird General Boswell, der später geadelte Lord MacDonald. Ein routinierter Cellist, der es sich leisten kann 200 Guineen für das Mara zu bezahlen.
1860
Von den Musikalienhändlern Betts Brothers in London wird das Mara an den kränklichen Banker John Whitmore Isaac of Worcester verkauft. Dieser stellt das Instrument aus und gibt ihm damit offiziell den Namen The Mara.
1860
Das Mara wechselt – bei steigenden Preisen – erneut den Besitzer. Mister Charles Lucas und Miss Miriam Lucas werden dem Potential des Cellos jedoch nicht gerecht.
1885 - 1887
Für zwei Jahre besitzt ein gewisser G. Swinton Isaac das Mara.
1887
Das Cello landet bei den Musikalienhändlern W.E. Hill & Sons zum Weiterverkauf. Hier nimmt sich der Geigenbauer Kristian Barza, wegen seines roten Bartes auch Barbarossa genannt, dem Instrument an. Er wird auch später noch oft mit dem Mara zu tun haben.
1887 - 1902
Das Instrument kommt in den Besitz des italienischen Cellovirtuosen Alessandro Pezze.
1902 - 1908
Nach dem Italiener Pezze kommt das Mara-Cello wieder in die Hände eines Engländers. Diesmal zum Cellisten H. J. Gardner.
1908 - 1910
Genau hundert Jahre nach Giovanni Maras Tod kommt The Mara für zwei Jahre in den Safe von W.E. Hill & Sons und wartet auf einen neuen Käufer.
1910 - 1934
Neuer Besitzer ist Carlos A. Tornquist, der das Cello mit nach Buenos Aires nimmt.
1934 - 1950
Das Cello kommt wieder einmal zu W.E. Hill & Sons nach London und wird noch im selben Jahr an Mr. Murray Lees, ein Amateur wie es heisst, verkauft. Dort blieb es bis zum Tod seines Besitzers.
1950 - 1953
Nächster Besitzer ist der Musiker Anthony (Carlos Antonio) Pini, ein Solocellist, der vor allem mit Elgars Cellokonzert brilliert.
1953 - 1954
Das Mara landet (mal wieder) bei W.E. Hill & Sons, 140 New Bond Street, London, W1.
9. Juli 1954
Besitzer wird der Römer Amadeo Baldovino, Cellist im weltbekannten "Trio di Trieste".
1996 - 2012
Händler Charles Beare von J. & A. Beare übernimmt das Mara und verkauft es später für etwas über 4 Millionen an einen deutschen Industriellen, der über den Kauf nur eine Nacht schlafen muss.
1995 - 2010
Der österreichische Musiker Heinrich Schiff erhält das Mara-Cello von einer Stifterfamilie geliehen.
2012 - heute
Neuer Besitzer des Mara wird im Oktober 2012 der Schweizer Cellist und Schiff-Schüler Christian Poltéra.
1780

Mozart erwähnt das Mara

oder eher Herr und Frau Mara,
in einem Brief an seinen Vater.
Wie klingt ein Einzelstück?
*1711

Die Geburt des Mara

In Cremona baut Antonio Stradivari ein Violoncello, das über die nächsten 300 Jahre zu einer Legende wird. Noch heute klebt der Zettel mit der Aufschrift «Antonius Stradivarius Cremonensis Faciebat Anno 1711» im Bauch des Instruments. Seinen Namen erhält es durch seinen ersten Besitzer: Giovanni Mara, einem der grossen Cellovirtuosen des 18. Jahrhunderts, aber auch ein Spieler und jähzorniger Trunkenbold, verheiratet mit der berühmten Sopranistin Gertrude Elisabeth Schmeling.
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